KI-Kennzeichnungspflicht seit August 2026: Was Website-Betreiber jetzt umsetzen müssen

Diego Hinz

Seit dem 2. August 2026 gelten die Transparenzpflichten aus Artikel 50 der EU-KI-Verordnung (KI-VO, auch „EU AI Act“). Für Website-Betreiber heißt das konkret: Wer einen KI-Chatbot einsetzt, muss Nutzerinnen und Nutzer darüber informieren, dass sie mit einer Maschine sprechen. Wer KI-generierte oder KI-veränderte Inhalte veröffentlicht – insbesondere Deepfakes sowie Texte zu Themen von öffentlichem Interesse – muss diese kennzeichnen. Die Aufsicht in Deutschland liegt bei der Bundesnetzagentur, das nationale Durchführungsgesetz ist am 29. Juli 2026 in Kraft getreten. Dieser Artikel erklärt, welche Pflichten Sie tatsächlich treffen, welche nicht – und wie Sie die Umsetzung auf einer WordPress-Website praktisch angehen.

Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag gibt den Stand vom 29. August 2026 wieder und ersetzt keine Rechtsberatung. Für eine verbindliche Bewertung Ihres konkreten Falls wenden Sie sich bitte an eine spezialisierte Kanzlei.

Was ist die KI-Kennzeichnungspflicht überhaupt?

Die KI-Kennzeichnungspflicht ist die umgangssprachliche Bezeichnung für die Transparenzpflichten aus Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 über künstliche Intelligenz. Der Grundgedanke ist einfach: Menschen sollen erkennen können, wann sie es mit KI zu tun haben – sei es im Dialog mit einem System oder beim Konsum von Inhalten. Die Verordnung schreibt dafür keine bestimmte Formulierung und kein bestimmtes Logo vor, sondern verlangt eine klare, gut erkennbare Information spätestens beim ersten Kontakt.

Artikel 50 ist damit kein Verbot. Es geht nicht darum, ob Sie KI einsetzen dürfen, sondern darum, dass der Einsatz für Ihre Website-Besucher nachvollziehbar bleibt. Das unterscheidet die Regel deutlich von den bereits seit dem 2. Februar 2025 geltenden Verboten bestimmter KI-Praktiken nach Artikel 5.

Die wichtigsten Fristen im Überblick

DatumWas gilt
2. Februar 2025Verbotene KI-Praktiken (Art. 5) und KI-Kompetenzpflicht (Art. 4) gelten
29. Juli 2026Deutsches KI-Durchführungsgesetz in Kraft (BGBl. 2026 I Nr. 233)
2. August 2026Transparenzpflichten nach Artikel 50 sind anwendbar
2. Dezember 2026Ende der Übergangsfrist für die maschinenlesbare Markierung bei Systemen, die vor dem 2.8.2026 in Verkehr gebracht wurden

Wen treffen die Pflichten: Anbieter oder Betreiber?

Die KI-Verordnung unterscheidet zwei Rollen, und diese Unterscheidung entscheidet darüber, was Sie tun müssen. Anbieter ist, wer ein KI-System entwickelt und unter eigenem Namen auf den Markt bringt. Betreiber ist, wer ein solches System unter eigener Verantwortung einsetzt. Ein Unternehmen, das einen zugekauften Chatbot auf seiner Website einbindet, ist Betreiber – nicht Anbieter.

Für die Praxis bedeutet das eine spürbare Entlastung: Die technische Kennzeichnung des Chatbots selbst und die maschinenlesbare Markierung KI-generierter Ausgaben schuldet grundsätzlich der Anbieter des Systems. Als Betreiber einer Website treffen Sie dagegen vor allem die Pflichten rund um das, was Sie veröffentlichen: Deepfakes und bestimmte KI-generierte Texte.

Was Sie als Website-Betreiber konkret prüfen sollten

  • Setzen Sie einen Chatbot, KI-Assistenten oder ein KI-Suchfeld ein, mit dem Besucher direkt interagieren?
  • Veröffentlichen Sie Bilder, Videos oder Audioinhalte, die mit KI erzeugt oder verändert wurden und echte Personen, Orte oder Ereignisse realistisch darstellen?
  • Publizieren Sie KI-generierte Texte zu Themen von öffentlichem Interesse – etwa in einem Nachrichten- oder Ratgeberformat?
  • Nutzen Ihre Mitarbeitenden KI-Werkzeuge im Arbeitsalltag, ohne dafür geschult zu sein? (Artikel 4 KI-VO verlangt seit Februar 2025 ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz.)

Wie kennzeichne ich einen KI-Chatbot richtig?

Ein KI-Chatbot muss so gestaltet sein, dass die Nutzerin oder der Nutzer erkennt, mit einem KI-System zu kommunizieren – es sei denn, das ist aus den Umständen ohnehin offensichtlich. Die Information muss vor oder spätestens bei der ersten Interaktion erfolgen, klar verständlich und wahrnehmbar sein. Ein Hinweis, der erst nach drei Klicks im Impressum auftaucht, genügt dafür nicht.

Bewährt hat sich eine Kombination aus drei Elementen: eine eindeutige Beschriftung des Chat-Fensters, eine erste Systemnachricht mit dem Hinweis auf die KI und ein kurzer Absatz in der Datenschutzerklärung, der den eingesetzten Dienst benennt. Formulieren Sie sachlich statt verspielt – ein Chatbot, der sich als „Ihre persönliche Beraterin Lena“ vorstellt, ohne die KI zu erwähnen, arbeitet gegen die Transparenzpflicht.

Praxisbeispiel: Hinweis im Chat-Fenster

Ein tragfähiger Hinweistext kann so aussehen:

Hallo! Ich bin der KI-Assistent von [Unternehmen].
Ihre Anfragen werden automatisiert von einem KI-System
beantwortet. Antworten können fehlerhaft sein.
Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich bitte an
unser Team: [Link zum Kontaktformular]

Technisch lässt sich der Hinweis in WordPress unabhängig vom eingesetzten Chat-Plugin ergänzen, etwa über einen zusätzlichen Textbaustein im Widget-Header. Achten Sie darauf, dass der Hinweis auch mobil sichtbar ist und nicht hinter einem eingeklappten Element verschwindet.

Welche KI-generierten Inhalte müssen gekennzeichnet werden?

Nicht jeder mit KI-Unterstützung entstandene Inhalt ist kennzeichnungspflichtig. Die Verordnung zielt auf zwei Fallgruppen: Deepfakes und KI-generierte Texte, die veröffentlicht werden, um die Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse zu informieren.

Bilder & Deepfakes

Als Deepfake gelten mit KI erzeugte oder manipulierte Bild-, Ton- oder Videoinhalte, die echten Personen, Gegenständen, Orten oder Ereignissen wirklichkeitsgetreu ähneln und fälschlicherweise als echt erscheinen könnten. Solche Inhalte müssen als künstlich erzeugt oder manipuliert offengelegt werden.

Es gibt auch „EU-Icons zur Kennzeichnung von KI-generierten Inhalten“, die als Vorlage dienen können, wie KI-generierte oder durch KI bearbeitete Bilder gekennzeichnet werden können:

https://digital-strategy.ec.europa.eu/de/policies/eu-icons-labelling-ai-generated-content

Bei offensichtlich künstlerischen, satirischen oder fiktionalen Werken sieht die Verordnung erleichterte Anforderungen vor – die Offenlegung darf die Darstellung des Werks dann nicht beeinträchtigen.

KI-generierte Texte zu Themen von öffentlichem Interesse

Wer KI-generierte oder KI-bearbeitete Texte veröffentlicht, um die Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse zu informieren, muss offenlegen, dass der Text künstlich erzeugt wurde. Eine Ausnahme greift, wenn der Inhalt einer menschlichen Überprüfung oder redaktionellen Kontrolle unterzogen wurde und eine natürliche oder juristische Person die redaktionelle Verantwortung trägt.

Für die meisten Unternehmensblogs ist das die entscheidende Passage: Wird ein KI-unterstützter Text vor der Veröffentlichung von einem Menschen fachlich geprüft und verantwortet, entfällt die Kennzeichnungspflicht nach Artikel 50 Absatz 4. Ein dokumentierter Redaktionsprozess ist damit nicht nur Qualitätssicherung, sondern auch Compliance-Baustein.

Wo eine Kennzeichnung in der Regel nicht nötig ist

  • KI-gestützte Rechtschreib- und Grammatikprüfung oder Übersetzungshilfen im Redaktionsprozess
  • Rein dekorative, offensichtlich illustrative Grafiken ohne realistischen Personen- oder Ereignisbezug
  • Interne Arbeitsergebnisse, die nicht veröffentlicht werden
  • Redaktionell geprüfte und verantwortete Fachtexte (siehe Ausnahme oben)

Wie setze ich die Anforderungen auf einer WordPress-Website um?

Die Umsetzung ist in den meisten Fällen weniger aufwendig als befürchtet. Sinnvoll ist ein strukturiertes Vorgehen in fünf Schritten:

  1. KI-Inventar erstellen. Listen Sie alle KI-Funktionen auf Ihrer Website und in Ihren Redaktionsprozessen auf – Chatbots, KI-Suchen, Übersetzungs- und Bildwerkzeuge, Textgeneratoren. Notieren Sie jeweils Anbieter, Zweck und Verantwortlichkeit im Haus.
  2. Rollen klären. Prüfen Sie je System, ob Sie Anbieter oder Betreiber sind. Fordern Sie bei zugekauften Systemen die Compliance-Dokumentation des Anbieters an – Anbieter müssen die technische Kennzeichnung liefern.
  3. Hinweise sichtbar platzieren. Chatbot-Hinweis im Widget, Kennzeichnung bei betroffenen Medien direkt am Inhalt (Bildunterschrift, Hinweiszeile unter dem Beitrag), ergänzender Abschnitt in der Datenschutzerklärung.
  4. Redaktionsprozess dokumentieren. Halten Sie schriftlich fest, wer KI-unterstützte Inhalte prüft und freigibt. Das ist die Grundlage für die Ausnahme bei redaktionell verantworteten Texten.
  5. KI-Kompetenz sicherstellen. Schulen Sie Mitarbeitende, die KI-Werkzeuge nutzen. Eine interne Einweisung mit Teilnehmerliste genügt in der Regel; eine externe Zertifizierung ist nicht vorgeschrieben.

Ein praktischer Zusatznutzen: Wer seine KI-Nutzung sauber dokumentiert und Inhalte transparent kennzeichnet, sendet zugleich Vertrauenssignale an Leser und Suchsysteme. Transparenz über Autorenschaft und redaktionelle Verantwortung zahlt direkt auf E-E-A-T ein und damit auf die Sichtbarkeit in klassischen Suchmaschinen wie in KI-Antwortsystemen – ein zentraler Baustein der KI-Sichtbarkeit und GEO-Optimierung.

Codebeispiel: Hinweiszeile automatisch unter markierten Beiträgen ausgeben

Wenn Sie einzelne Beiträge als KI-unterstützt kennzeichnen möchten, lässt sich das über ein benutzerdefiniertes Feld lösen. Der folgende Snippet gehört in die functions.php des Child-Themes oder – besser – in ein eigenes kleines Plugin:

add_filter( 'the_content', 'mewigo_ki_hinweis' );

function mewigo_ki_hinweis( $content ) {
    if ( ! is_singular( 'post' ) || ! in_the_loop()
         || ! is_main_query() ) {
        return $content;
    }

    if ( ! get_post_meta( get_the_ID(), 'ki_generiert', true ) ) {
        return $content;
    }

    $hinweis  = '<p class="ki-hinweis">';
    $hinweis .= esc_html__(
        'Hinweis: Teile dieses Beitrags wurden mit '
        . 'KI-Unterstützung erstellt und vor der '
        . 'Veröffentlichung redaktionell geprüft.',
        'textdomain'
    );
    $hinweis .= '</p>';

    return $content . $hinweis;
}

Das Feld ki_generiert setzen Sie pro Beitrag im Editor (etwa über ACF oder ein einfaches benutzerdefiniertes Feld). Der Hinweis erscheint dann automatisch am Ende des Beitrags – ohne dass ihn jemand von Hand einfügen muss.

Welche Konsequenzen drohen bei Verstößen?

Artikel 99 der KI-Verordnung sieht ein gestuftes Sanktionssystem vor. Für Verstöße gegen die Transparenzpflichten – also die hier beschriebenen Anforderungen aus Artikel 50 – sind Geldbußen von bis zu 15 Millionen Euro oder bis zu 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes vorgesehen, je nachdem, welcher Betrag höher ist. Für kleine und mittlere Unternehmen sowie Start-ups gilt jeweils der niedrigere der beiden Werte.

Zuständige Marktüberwachungsbehörde in Deutschland ist die Bundesnetzagentur. Sie hat mit dem am 29. Juli 2026 in Kraft getretenen KI-Marktüberwachungs- und Innovationsförderungsgesetz die zentrale Rolle bei Aufsicht und Durchsetzung übernommen. Neben behördlichen Maßnahmen ist bei fehlender Kennzeichnung außerdem wettbewerbsrechtlicher Druck durch Mitbewerber oder Verbände denkbar – ein Risiko, das erfahrungsgemäß schneller relevant wird als ein Bußgeldverfahren.

Realistisch eingeordnet: Für ein mittelständisches Unternehmen mit einem Chatbot und einem KI-unterstützten Blog geht es nicht um Millionenbeträge, sondern um überschaubare Anpassungen an wenigen Stellen der Website. Der Aufwand liegt typischerweise im Bereich weniger Stunden – vorausgesetzt, man geht die Punkte systematisch an. Ähnlich wie bei den Anforderungen des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes gilt: Wer früh strukturiert vorgeht, spart sich späteren Nachbesserungsdruck.

Häufige Fragen zur KI-Kennzeichnungspflicht

Muss ich jeden mit ChatGPT geschriebenen Blogartikel kennzeichnen?

Nicht zwingend. Die Kennzeichnungspflicht nach Artikel 50 Absatz 4 KI-VO betrifft Texte, die veröffentlicht werden, um die Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse zu informieren. Zudem entfällt die Pflicht, wenn der Inhalt einer menschlichen Überprüfung unterzogen wurde und eine Person die redaktionelle Verantwortung trägt. Ein geprüfter Fachbeitrag mit benanntem Verantwortlichen ist damit in der Regel nicht kennzeichnungspflichtig – eine freiwillige Transparenzangabe ist trotzdem empfehlenswert.

Reicht ein Hinweis in der Datenschutzerklärung für meinen Chatbot?

Nein. Die Information muss den Nutzer vor oder bei der ersten Interaktion erreichen und klar erkennbar sein. Ein Absatz in der Datenschutzerklärung ist eine sinnvolle Ergänzung, ersetzt aber nicht den sichtbaren Hinweis im Chat-Fenster selbst.

Gilt die KI-Kennzeichnungspflicht auch für kleine Unternehmen und Einzelunternehmer?

Ja. Die Transparenzpflichten aus Artikel 50 gelten unabhängig von der Unternehmensgröße. Erleichterungen gibt es lediglich bei der Höhe möglicher Bußgelder: Für KMU und Start-ups gilt jeweils der niedrigere der beiden in Artikel 99 genannten Werte.

Was ist der Unterschied zwischen KI-Kennzeichnung und KI-Kompetenz nach Artikel 4?

Die Kennzeichnungspflicht nach Artikel 50 richtet sich nach außen: Nutzer sollen KI-Einsatz erkennen können. Die KI-Kompetenzpflicht nach Artikel 4 richtet sich nach innen: Unternehmen müssen dafür sorgen, dass Mitarbeitende, die KI-Systeme einsetzen, deren Funktionsweise und Risiken hinreichend verstehen. Sie gilt bereits seit dem 2. Februar 2025.

Wer kontrolliert die Einhaltung in Deutschland?

Die Bundesnetzagentur ist zentrale Marktüberwachungsbehörde für die KI-Verordnung. Grundlage ist das nationale Durchführungsgesetz, das am 29. Juli 2026 in Kraft getreten ist.

MEWIGO als Partner für rechtssichere und zukunftsfähige Websites

Neue Regelwerke wie die KI-Verordnung treffen Website-Betreiber selten allein – meist stehen sie neben Themen wie Barrierefreiheit, Datenschutz und technischer Wartung auf derselben To-do-Liste. MEWIGO begleitet Unternehmen seit der Gründung 2007 in Berlin und damit seit über 19 Jahren bei genau diesen Aufgaben. Über 300 TOP-Bewertungen mit einer Durchschnittsnote von 4,91 von 5 Sternen und mehr als 250 betreute Kunden zeigen, dass dieser Ansatz in der Praxis trägt.

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Quellenangaben

Alle Quellen zuletzt abgerufen am 29. August 2026.

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Über den Autor
Diego Hinz
Diego hat MEWIGO im Jahr 2007 gegründet. Er übernimmt aktuell primär die Beratung der Kunden - vor allem bei WordPress-/Relaunch-Projekten und dem Thema KI-Optimierung von Websites.